Die verwandelnde Kraft der Wertschätzung

Der Skorpion-Neumond vom 15. November 2020
 

Am Sonntag, den 15. November, ereignet sich um 06.07 Uhr mitteleuropäischer Zeit der nächste Neumond und zwar im Skorpion-Zeichen. Dieser Neumond findet zu einem bedeutsamen Moment statt. Denn er folgt unmittelbar auf zwei wichtige kosmische Ereignisse, die wir soeben erlebt haben. Zum einen die Jupiter/Pluto-Konjunktion, die am vergangenen Donnerstag zum dritten und letzten Mal in diesem Jahr stattfand. Zum anderen der Richtungswechsel des Planeten Mars, der am frühen Samstagmorgen seine Bewegung von rückläufig zu direktläufig änderte und nun wieder vorwärts durch den Tierkreis zieht. Die Energien dieser beiden Ereignisse haben auf die Qualität des kommenden Neumondes einen wesentlichen Einfluss. Denn obwohl die exakte Konjunktion von Jupiter und Pluto bereits geschehen ist, stehen die beiden Planeten immer noch so nah beieinander, dass sie weiterhin eine starke Wirkung entfalten. Und da der Richtungswechsel des Mars kurz vor Neumond stattfand, ist er im Neumondhoroskop praktisch stationär.

Was die erwähnten kosmischen Ereignisse für den neuen Sonne/Mond-Zyklus bedeuten und was die Skorpion-Energie des Neumondes in uns anregt, möchte ich im Folgenden erläutern. Doch bevor wir in die Themen des Neumondes näher einsteigen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Konstellationen des Neumondhoroskops im Einzelnen.

 

Die Konstellationen des Neumondes

Sonne und Mond stehen beim kommenden Neumond auf 23 Grad Skorpion und bilden ein weites Trigon zum rückläufigen Neptun auf 18 Grad Fische sowie ein exaktes Sextil zu Jupiter und Pluto auf 23 Grad Steinbock. Vor allem das Sextil zu Jupiter ist sehr genau, nämlich auf zwei Bogenminuten. Die Jupiter/Pluto-Konjunktion steht darüber hinaus im Quadrat zur Venus auf 22 Grad Waage. Auch dieser Aspekt ist recht genau. Venus ihrerseits befindet sich zudem in weiter Opposition zu Mars auf 15 Grad Widder, im Quadrat zu Saturn auf 27 Grad Steinbock sowie im Halbsextil zu Sonne und Mond. Einen weiteren Spannungsaspekt finden wir zwischen Merkur auf 5 Grad Skorpion und Lilith auf 3 Grad Stier sowie zwischen Merkur und dem rückläufigen Uranus auf 8 Grad Stier. Zwischen Merkur und dem rückläufigen Chiron auf 5 Grad Widder formiert sich zudem ein exakter Quinkunx-Aspekt.
 

Von der Natur das Loslassen lernen

Dieser Neumond hat eine starke skorpionische Ladung. Nicht nur findet er im Skorpion-Zeichen statt. Auch der Herrscher dieses Zeichens, nämlich Pluto, steht stark. Ebenso spielt Mars, der ja der traditionelle Herrscher des Skorpions ist, wie erwähnt, eine wichtige Rolle.

Wenn die Sonne auf ihrer Reise durch den Tierkreis in das Skorpion-Zeichen eintritt, beginnt der Sterbeprozess in der Natur. Die Pflanzen und Bäume ziehen ihre Energien in sich zurück und lassen das äussere sichtbare Blätterkleid fallen. Es ist immer wieder beeindruckend, diesen Prozess Jahr für Jahr zu beobachten. Mitzuerleben, wie sich die Natur in völliger Selbstverständlichkeit, ohne Klagen, ohne Aufbäumen, sondern fliessend und in völligem Einverstanden-Sein sich diesem Prozess hingibt. Vor meinem Fenster steht ein grosser Ginkgo-Baum. Von Tag zu Tag verlor er in den letzten Tagen mehr Blätter. Mal fielen nur einige wenige von seinen Ästen. Dann und wann, wenn beispielsweise ein Wind auffrischte, gab es einen ganzen Regen von goldgelben Blättern, die lautlos zur Erde fielen. Irgendwann in den nächsten Tagen wird kein Blatt mehr in der Sonne leuchten. Zeichen dafür, dass das Loslassen vollständig und ganz geschehen ist.

Wie man loslässt, das können wir von der Natur lernen. Loslassen ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geschieht. Wie bei den Bäumen und Sträuchern, die auch nicht alle Blätter auf einmal abwerfen. Loslassen braucht  seine Zeit, auch den richtigen Zeitpunkt.  Wenn dieser gekommen ist, fügen sich die Dinge meist von selbst. Vorher ist in uns viel passiert, wahrscheinlich viel Aufwühlendes, das wir verarbeiten mussten, um es schliesslich hinter uns zu lassen. Die Erkenntnis, dass wir etwas loslassen müssen, ist ein erster Schritt auf dem Weg. Aber nur die Erkenntnis alleine reicht noch nicht aus, Wir müssen diesen Prozess mit unserem ganzen Wesen vollziehen. Sonst bleibt das Ganze ein mentales Konstrukt, dem die Tiefe und Authentizität fehlt und uns nicht wirklich frei und offen werden lässt für das Neue, das kommen wird. Der Skorpion-Neumond erinnert uns an diese Wahrheit.
 

Rituale des Verabschiedens

Im Gegensatz zur Natur, die noch ganz in die Rhythmen des Seins eingebettet ist, fällt uns das Loslassen häufig aber nicht so einfach, manchmal sogar extrem schwer. Vor allem bei den grossen Brüchen in unserem Leben: Wenn eine Beziehung zu Ende geht, wir unsere Arbeit oder unser Zuhause verlieren, oder wenn wir von einem geliebten Menschen Abschied nehmen müssen. Es können aber auch weniger einschneidende oder dramatische Dinge sein, die uns aber dennoch bewegen oder noch lange im Nachhinein schmerzen.

Skorpion ist ein Übergangszeichen. Es repräsentiert die Schwelle zwischen zwei Zuständen, zwischen dem, was war, und dem, was sein wird. Schon immer wurden wichtige Übergänge im Leben mit Ritualen begleitet. Rituale helfen, das Gewesene bewusst zu verabschieden. Indem wir etwas noch einmal unsere ganze ungeteilte Aufmerksamkeit schenken, können die Energien, die vorher aufgrund von Angst, Wut, Verzweiflung oder seelischen Verletzungen blockiert waren, wieder fliessen.

Wenn es irgendetwas Akutes in Ihrem Leben gibt, wovon Sie loslassen möchten oder müssen, oder Sie von bestimmten vergangenen Themen immer wieder eingeholt werden, können Sie über ein kleines Ritual jetzt einen Impuls der Transformation und Heilung setzen. Der Skorpion-Neumond mit dem harmonischen Trigon zum Neptun passt dafür hervorragend. Er besitzt eine geheimnisvolle Kraft, indem auf Ebenen, die jenseits unseres Alltagsbewusstseins liegen, viel angestossen und geschehen kann. Ganz zentral dabei ist, dass Sie das, was damals war, würdigen und wertschätzen. Häufig sind wir so in unseren leidvollen Geschichten gefangen oder verstrickt, dass wir das Positive, das auch in den vergangenen Ereignissen lag, nicht mehr sehen. Wertschätzung ist daher der Schlüssel, um etwas in Frieden beenden und loslassen zu können.
 

Wertschätzung ist der Schlüssel für wirkliche Veränderung 

Das gilt auch auf kollektiver Ebene und ist in der gegenwärtigen Zeit des Wandels nötiger denn je. Wir erleben gerade, dass ganze Berufs- und Industriezweige wegbrechen, weil sie keine Zukunft mehr besitzen. Meistens werden die Jobs einfach abgewickelt, ohne dass wir davon viel mitbekommen. Die Betroffenen erleben den Verlust dagegen als eine tiefe persönliche Kränkung. Gesellschaftliche Rituale der Verabschiedung für solche Situationen fehlen uns noch. Dabei wären sie extrem wichtig und heilsam. Auf eine coole Idee in dieser Hinsicht ist kürzlich eine Architektengruppe aus Berlin gekommen, die aus einem ehemaligen Kühlturm poetische Rauchzeichen aufsteigen lässt. Es ist eine künstlerische Form der Verabschiedung des fossilen Zeitalters. Und nicht zuletzt eine Wertschätzung für all die Menschen, die in dieser Industrie gearbeitet und damit viel zu unserem Wohlstand beigetragen haben. Viele Konflikte, die wir zurzeit erleben, entspringen dem Gefühl mangelnder Beachtung, Würdigung und  Wertschätzung und bilden ein Humus für Entzweiung und Hass. Gesellschaftliche Rituale könnten diesen Tendenzen entgegenwirken.

Wertschätzung ist auch ein wesentlicher Schlüssel, um den Energien des neuen Jupiter/Pluto-Zyklus auf konstruktive Weise Ausdruck zu verleihen. In dieser Konstellation liegt ein grosses Potenzial, um mehr Überblick und Weisheit zu entwickeln. Zurzeit ist davon kollektiv allerdings wenig zu spüren. Wir haben es momentan eher mit den Schattenthemen dieser Konstellation zu tun. Mit Recht-Haben-Wollen, Intoleranz, Leugnung, dem Recht des Stärkeren bis hin zu Machtmissbrauch. Eckhart Tolle hat einmal daraufhin gewiesen, dass Recht-Haben-Wollen letztlich ein Akt der Gewalt ist. Denn indem wir darauf bestehen, im Recht zu sein, setzen wir den anderen ins Unrecht. Indem wir die Wahrheit auf unserer Seite wähnen, werten wir uns auf und den anderen ab. Wir fühlen uns dadurch vielleicht im ersten Moment stark, so als ob wir einen Sieg davongetragen hätten. Doch langfristig werden wir dadurch nur umso stärker auf uns selbst zurückgeworfen. Die Distanz zum anderen vertieft sich und unsere Einsamkeit auch.
 

Von der Kopf- auf die Herzebene wechseln

Besonders um den Neumond herum gilt es diesbezüglich wachsam zu sein. Denn der stationäre Mars sowie der harte Aspekt, der von Jupiter und Pluto zur Venus ausgeht, befördern noch zusätzlich Tendenzen des Unfriedens und der Spaltung. Die Tage um die Kehrtwendung des Mars herum sind eine sensible, heikle Phase, in der sich die emotionale Unruhe, die sich während der Rückläufigkeit angestaut hat, Bahn brechen könnte. So mögen sich die Gräben schnell vertiefen, wenn in einem ohnehin schon aufgeheizten Klima, verbalen Angriffen nicht Einhalt geboten wird. Wo die Dinge sich verhärten, ist mit sachlichen Argumenten jedoch oft nicht mehr beizukommen.

Wenn Sie jetzt und in den kommenden Wochen bemerken, dass sich ein Konflikt völlig festfährt, sei es am Arbeitsplatz oder im Privaten, versuchen Sie die Ebene zu wechseln. Anstatt den anderen von Ihren eigenen Ansichten oder Ihrer Sicht der Dinge zu überzeugen, sprechen Sie darüber, was Ihnen wichtig ist, wie Sie sich ein gutes Miteinander vorstellen oder was die Beziehung Ihnen bedeutet. Und laden Sie Ihr Gegenüber dazu ein, es Ihnen gleich zu tun. Anstatt sich, während der andere noch spricht, Argumente zu überlegen, wie Sie widersprechen könnten, hören Sie einfach zu. Seien Sie vollkommen präsent und dem anderen zugewandt. Indem Sie auf diese Weise von der Kopf- auf die Herzebene wechseln, öffnet sich ein Raum, in dem wirkliche Begegnung stattfinden kann.

Letztlich wollen wir alle gesehen und wahrgenommen werden. Dort, wo diese Qualitäten spürbar werden, sind ganz erstaunliche Entwicklungen möglich. Wir nehmen den anderen plötzlich in seiner Gesamtheit wahr, spüren seine Bedürftigkeit, seine Sensibilität und Verletzlichkeit und können diese auch bei uns zulassen. Überall dort, wo dies gelingt, können unter den aktuellen Energien jetzt sehr tiefe, verwandelnde Gespräche und Begegnungen stattfinden, an die wir uns noch lange zurückerinnern dürften. Denn Sie vermögen etwas Neues in unserem Leben hervorzubringen, eine Qualität, die wir vielleicht bislang noch nicht kannten. Es tut sich eine völlig neue Ebene auf.
 

Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

Dieser Neumond ist eine Einladung an uns, weise miteinander umzugehen. Darüber hinaus kann er uns daran erinnern, dass die Dinge mitunter ganz anders liegen, als sie sich auf den ersten Blick präsentieren. Bei der Vorbereitung auf diesen Newsletter musste ich an einen meiner Dozenten an der Universität denken, bei dem ich während meines Studiums lernte, psychologische Gutachten zu verfassen. Als wir Studenten uns bei einem Fall ziemlich sicher waren, war das für ihn Anlass, uns Folgendes mit auf den Weg zu geben: "Überlegen Sie sich immer, ob das Umgekehrte nicht auch richtig sein könnte." Für mich ist dieser Satz ein Satz fürs Leben geworden. Eine Erinnerung daran, nicht vorschnell ein Urteil zu fällen, offen für andere Sichtweisen zu bleiben sowie die eigenen Überzeugungen immer wieder kritisch zu hinterfragen. Ist das anstrengend? Zuweilen ja. Gelingt es mir immer? Nein. Lohnt es sich trotzdem, es zu tun? Unbedingt. Denn nur so wachse ich. 


Ich wünsche Ihnen alles Liebe und Gute für die kommenden Wochen.

Ihre
Alexandra Klinghammer 


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